Verkehrsexperte fällt vernichtendes Urteil über geplante Kreisfusion

Im Rahmen ihres Besuches der Kneippstadt Bad Lauterberg traf die Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon (Grüne) auch mit Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ zusammen.

Während der Verkehrsexperte zunächst der Bundestagsabgeordneten je ein Exemplar des „Harzer Kursbuches“ und mit dem „Linienbus durch den Harz“ übergab, informierte er weiterhin über den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), den seine Initiative versucht weiter zu verbessern. Dies, so Michael Reinboth, ist aber nicht so einfach, denn der Harz liegt in drei Bundesländern mit fünf verschiedenen Landkreisen. Diese wiederum haben mehrere Verkehrsverbünde mit unterschiedlichen Tarifstrukturen. Die verschiedenen Bus-und Bahnnetze sind teilweise nur mangelhaft verzahnt, gleiche Fahrten kosten bei den verschiedenen Netzverbunden unterschiedliche Gebühren.

Eine relativ gute Planungssicherheit gibt es bei den Bahnstrecken der Region, in den nächsten 15 Jahren wird einer europaweiten Ausschreibung die Nahverkehrstochter der DB Mobility Logistics AG unter anderem die Strecken Göttingen -Northeim- Nordhausen, Herzberg-Braunschweig, wie bisher betreiben.

Die Initiative der neuen rot-grünen Landesregierung Bahnstrecken in Niedersachsen zu reaktivieren, die teilweise über 30 Jahre stillgelegt sind, nannte Michael Reinboth als reinen „Aktionismus“. Vielmehr müsse in die vorhandene Infrastruktur investiert werden, um attraktive kurze Fahrzeiten zu bekommen. Auch durch Wiedereröffnung stillgelegter Bahnhöfe an vorhandenen Strecken könne man mehr Personen in ÖPNV bekommen.

Die laufende Kreisfusion zwischen den Landkreisen Göttingen und Osterode, so Reinboth weiter, ist das „schlimmste für den ÖPNV, was passieren konnte“. Die Zentren Göttingen und Braunschweig „bestimmen künftig die Musik“ während der Verkehr auf dem Land weiter ausgedünnt wird. Allein der Rückgang der Schülerzahlen, verbunden mit verschiedenen Schulschließungen (z.B. Lutterbergschule) wird erhebliche Veränderungen des Linienverkehrs mit sich bringen. Zum anderen ist es kaum einsehbar, dass einzelne Schüler aus Mini-Ganztagsschulen, wie zum Beispiel Bartolfelde, mit Bussen des Liniennetzes nach Steina, Tettenborn, usw. transportiert werden. Nur allein durch vernünftige Absprachen und Koordinierung von Schulzeiten könne es Verbesserungen geben, die auch dem touristischen Angebot dienlich sind.

Damit künftig die Bewohner der Peripherie nicht schlechtergestellt sind, so Viola von Cramon, wird sie überlegen, wie man die Probleme löst, bzw. wie man die verschiedenen Verkehrsverbünde an einen Tisch bekommt, um den ÖPNV für die Bewohner und Gäste des Harzes zu verbessern.

 

Bericht: Bernd Jackisch